(von Helmut P. Etzkorn, Münstersche Zeitung am 21.05.2014)

MÜNSTER. Wenn man den Dom völlig neu aus ungewöhnlichen Perspektiven fotografieren will, muss man den kreativen Blick für das nicht auf den ersten Blick Sichtbare besitzen. Und manchmal auch schwindelfrei sein. Fotograf Klaus Altevogt (58), der am Buch zum Domjubiläum mitarbeitet, entdeckt die Bistumskirche mit seiner Kamera neu und scheut sich auch nicht vor ungewöhnlichen Methoden.

Gestern Morgen, 7.30 Uhr, Großbaustelle Fürstenberghaus am Domplatz. Altevogt steht mit seiner Kamera parat an einem Arbeitskorb vor dem Gittermastkran. Neben ihm Peter Glahn vom Vorstand der Domfreunde. Er hat sich schon mit dem Kranführer unterhalten. Wenig später hat sich Altevogt samt Ausrüstung in dem engen Korb sortiert, wie ein Lift zieht es ihn dann 40 Meter in die Höhe. Es geht um ein Bild vom Dom im Gegenlicht am frühen Morgen. Altevogt hat ein kleines Funkgerät dabei und kann so Kontakt mit dem Kranführer in der Kanzel aufnehmen. Ein paar Kommandos, ein kleiner Schwenk nach rechts, etwas weiter nach vorn. Es braucht ein paar Minuten, bis der Fotograf über dem Domplatz vernünftig eingeschwenkt ist. „Am Ende sollen es eben Bilder vom Dom sein, die so noch keiner kennt und einfach überraschend sind“, sagt der Chef eines Fotostudios im Hafen. Um Ostern herum hat Altevogt eine Kamera mit 17 Millimeter-Weitwinkelobjektiv in einer unscheinbaren Holzkiste im Deckengewölbe des Doms montiert. Den Auslöser aktivierte er von unten, per App und Smartphone. Die Ergebnisse sind spektakulär. Die Gläubigen sitzen wie Ameisen geordnet in den Bankreihen. Mal bei Tageslicht, mal im Kerzenschein.

Der Blick des Bischofs
Bei den 700 Jahre alten Bischofsgewändern hat Altevogt per Close-up die einzelnen Nähte in seinen Nahaufnahmen herausgearbeitet. „Alte Handwerkskunst wird wieder sichtbar“, sagt er. Er setzt sich in den Bischofsstuhl am Altar und löst aus. „Das ist der Blick, den Felix Genn auf die Gottesdienstbesucher hat. Den wollte ich dokumentieren“, so der Berufsfotograf. Jetzt die Bilder vom Kran, es folgen noch Detailaufnahmen von Kunstwerken, Reliquien und Bildern. Bis August muss Klaus Altevogt alle 150 Motive im Kasten haben. Zeitaufwendiger als das eigentliche Fotografieren ist die Auswahl und Nachbearbeitung daheim am Computer. Altevogt, der sonst feine Kleidung, frische Früchte und schöne Frauen ablichtet, freut sich über die Abwechselung. „So etwas kann man nur aus Leidenschaft zu den Domfreunden machen“, sagt er. Nach 30 Minuten ist gestern der Kraneinsatz beendet. Glahn und Altevogt gehen mal eben noch für ein Motiv auf das Dach der Bezirksregierung. Dort schauen sie sich im Kamera-Display an, wie die Morgenausbeute gelungen ist. Glahn: „Es wird ein Dombuch, das Experten begeistern und Laien gefallen wird. Nichts rein Klerikales, ohne Weihrauch, aber für jedermann erlebbar.“

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